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EASy/rsCASE® bändigte Informationsflut

15.11.2005 - Zehntausende von Informationen führten das Bayerische Landeskriminalamt zum Ziel: Im Dezember 2003 verhafteten die Ermittler Lokman Amin Mohammed in München.

Der irakische Kurde, der im März 2000 als Asylbewerber in die Landeshauptstadt kam, wurde verdächtigt, einer der Anführer der irakischen Terrororganisationen „Ansar al Islam“ und „Jaish Ansar al Sunna“ zu sein. Das Münchner Oberlandesgericht verurteilte den 33-Jährigen nach achtmonatiger Verhandlung nun Ende letzter Woche zu sieben Jahren Haft.
Damit ging der bundesweit erste Prozess wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorvereinigung nach dem neuen § 129 b des Strafgesetzbuches zu Ende. Dieser trat ein Jahr nach den Anschlägen des 11. September 2001 in Kraft.
Dass die Polizei Lokman Amin Mohammed nach knapp einem Jahr verdeckter Nachforschungen dingfest machte, ist zum einen dem Sachverstand und dem Ermittlungsgeschick der Beamten zu verdanken. Zum anderen stand den Kriminalisten ein wertvoller Helfer zur Seite: das Ermittlungs- und Analyseprogramm EASy des Oberhausener Software-Herstellers rola Security Solutions GmbH.

Bis zu seiner Einreise nach Deutschland und damit mit seinem Eintritt in die Terrorgruppe lebte Mohammed als Schmuggler und islamistischer Kämpfer im Nord-Irak. Seit Anfang 2002 rekrutierte er in Deutschland mindestens acht so genannte „Gotteskrieger“ und regelte deren Ausreise in den Irak mit gefälschten Pässen. Er gestand außerdem, Geld und Material für Anschläge der „Ansar als Islam“ und „Jaish Ansar al Sunna“ gesammelt zu haben. Er verdiente als Teil eines Schleusernetzwerkes, brachte Iraker für rund 2000 Dollar nach Europa. Ende 2003 wollte er selbst als „Kommandeur“ des Dschihads in den Irak zurückkehren. Doch die Polizei kam ihm mit der Verhaftung zuvor.
Lokman Mohammeds „Arbeit“ hatte Spuren hinterlassen. Spuren, die Polizeiermittlungen nach sich zogen. Doch Zehntausende von Informationseinheiten lassen sich selbst von erfahrenen Beamten nur schwer bändigen. Das Computerprogramm EASy steht hier seit 2003 als unterstützender Helfer zur Seite, gilt in Bayern mittlerweile als Standardwerkzeug in Sachen Verbrechensbekämpfung.

EASy (Ermittlungs- und Analyseunterstützendes EDV-System), das unter dem Namen rsCASE entwickelt und durch rola Security Solutions auf die Arbeitsanforderungen der bayerischen Polizei zugeschnitten wurde, bündelte diese Informationsflut zu sinnvollen Strukturen. Die Software zeigte den Ermittlern in diesem wie auch in anderen Fällen aus den Bereichen Terrorbekämpfung, Organisierte Kriminalität, Staatsschutz, Rauschgift- und Wirtschaftskriminalität sowie allen Sonderkommissionen Kontakte zwischen Personen, Firmen, Fahrzeugen und Ereignissen grafisch an. Durch eine integrierte Visualisierung – das Programm i2 Analysts Notebook – sowie alle möglichen Arten von Such-, Auswerte- und Analysefunktionen stellte sich das komplexe terroristische Gefüge um Lokman Amin Mohammed für die Beamten deutlich dar.
Das enthaltene Geo-Informationssystem zeigte Objektdaten online auf Karten an. Schriftstücke und Dokumente speiste die Polizei als Quellen in das System ein. Verbindungen zu Programmen wie das bundesweite polizeiliche Informationssystem INPOL erweiterten die Recherchemöglichkeiten. Der Gang zu Akten und Stadtplänen erübrigte sich. Vielmehr traten professionell Computer und bei Einsätzen außerhalb der Dienststelle Laptops in Aktion. Ein Modell, das wertvolle Zeit und Ressourcen einspart.

Etwa 4000 Kriminalbeamte bearbeiten derzeit lokal Fälle mit Hilfe der modernen Ermittlungs- und Analysedatenbank in zirka 50 bayerischen Dienststellen; EASy wiederum zentralisiert die erfassten Daten automatisch, macht sie so für regionale Ermittler als Recherchehilfe sichtbar und gibt Anhaltspunkte für neue, fallübergreifende Ermittlungsansätze. Ein System mit Zukunft. Denn weitere Anklagen gegen Lokman Amin Mohammeds Sinnesgenossen sind bereits erhoben.



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